Energie von hier Sachsenheim: Zukunft der erneuerbaren Energien im Fokus
Informationsveranstaltung mit Bürger*innen-Engagement und Naturschutz-Fokus

Die Referenten und Moderatoren von links nach rechts: Dr. Angela Brüx, Hans-Georg Hummel, Markus Klingler, Dieter Hallmann, Christian Prella, Christoph Kaup
Das Projekt Energiepark „Alleenfeld“ steht aktuell im Mittelpunkt der Diskussionen um die nachhaltige Energiezukunft in Sachsenheim. Es vereint die Themen Windenergie, Solarenergie und Batteriespeicher, setzt auf Bürgerbeteiligung und Naturschutz und soll als Modell für eine umweltverträgliche Energiewende in der Region dienen. Am 1. Februar sind alle Bürgerinnen und Bürger von Sachsenheim aufgerufen, in zwei Bürgerentscheiden über die Zukunft des Energieparks Alleenfeld abzustimmen. Die Bürgerinitiative Energie von hier Sachsenheim setzt sich engagiert für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Energieversorgung in der Region ein.
Am 09. Januar fand im Kulturhaus Sachsenheim eine herausragend besuchte Informationsveranstaltung statt. Rund 180 Interessierte füllten den Saal bis auf den letzten Platz – einige Zuhörer*innen mussten sogar außerhalb des Saals Platz nehmen. Das große Interesse unterstreicht, wie sehr das Thema die Bevölkerung bewegt.
Zu Beginn der Veranstaltung richtete Bürgermeister Albrich ein herzliches Grußwort an die Anwesenden und betonte dabei die große Bedeutung des Energieparks Alleenfeld für die Zukunft der Gemeinde Sachsenheim. Er unterstrich, dass dieses Projekt nicht nur ein wichtiger Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit in der Energieversorgung sei, sondern auch das große Engagement und die Identifikation aller Beteiligten mit dem Alleenpark widerspiegele. Besonders hob Bürgermeister Albrich hervor, dass der gemeinsame Einsatz der Rednerinnen und Redner sowie der Bürgerinitiative maßgeblich zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger, der gesamten Gemeinde und damit zum Gemeinwohl beiträgt.
Zu Beginn berichtete Herr Hallmann von der Energiegenossenschaft Ingersheim über die bisherigen positiven Erfahrungen mit dem Betrieb des Windrads in Ingersheim und gab einen Einblick in den aktuellen Stand der Gespräche mit Vertreter*innen der Stadt, den Projektbeteiligten Vento Ludens und der Hofkammer des Hauses Württemberg. Er betonte, dass es aktuell noch zu früh sei, um konkrete Pläne für den Energiepark „Allenfeld“ vorzustellen. Besonders erfreulich sei aus Sicht der Bürgerinitiative jedoch, dass die Forderung nach einer Bürgerbeteiligung am Projekt von den beteiligten Unternehmen positiv aufgenommen wurde. Darüber hinaus hob Herr Hallmann hervor, dass die Genossenschaft seit Beginn Gewinne erwirtschaftet und ihren Mitgliedern regelmäßig Dividenden auszahlt. Bemerkenswert ist zudem, dass das Windrad am Standort Ingersheim trotz ursprünglich ungünstiger Windprognosen wirtschaftlich erfolgreich betrieben wird.
Der zweite Vortrag kam von Herrn Kaup, NABU-Ortsgruppe Sachsenheim. In seiner Stellungnahme zum geplanten Energiepark „Allenfeld“ lobte er das breite Engagement der Bürgerinnen und Bürger für den Naturschutz im Rahmen der Diskussionen. Besonders unterstrich er die Bedeutung des Schutzes der lokalen FFH-Gebiete und des Naturdenkmals am Eichwald und warnte vor weiterer großflächiger Versiegelung durch Bauprojekte. Auch die Förderung artenreicher Biotope wie Streuobstwiesen sowie naturnahe Gestaltung von Garten- und Parkflächen wurden als besonders effektive Maßnahmen genannt.
Herr Kaup machte deutlich, dass Klimaschutz und Artenschutz stets gemeinsam gedacht werden müssen. Die Klima- und die Artenschutzkrise sind eng miteinander verbunden und lassen sich nur gemeinsam lösen. Der IPCC-Bericht von 2022 mahnt: Ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten könnte bis 2070 infolge der Erderwärmung aussterben. Der NABU fordert daher eine schnelle sowie naturverträgliche Energiewende, wobei Windenergie eine zentrale Rolle spielt. Allerdings lehnt der NABU Standorte für Windräder ab, die nicht mit Natur- und Artenschutz vereinbar sind, und fordert, beide Ziele im Einklang zu verfolgen.
Für das Vorranggebiet LB-18 (Alleenfeld) bewertet die NABU-Gruppe den Standort als naturschutzfachlich tolerierbar, da die konventionell genutzte Fläche wenig Artenvielfalt bietet und keine wichtigen Brutplätze oder Zwischenstrukturen aufweist. Die Empfehlung: Ausstattung der Windräder mit KI-gestützten Sensoren zur automatischen Abschaltung bei Großvogelanflug, wie es die moderne Technik ermöglicht. Zudem sollen Abschaltalgorithmen, etwa mit der Software „ProBat“, den Fledermausschutz gewährleisten.
Auch beim geplanten Solarpark fordert die NABU Sachsenheim eine naturnahe Gestaltung: Die Fläche soll ökologisch aufgewertet, mit regionalem Saatgut und Zwischenstrukturen wie Steinhaufen und Wildkräutern versehen und extensiv mit Schafen beweidet werden. Mindestabstände zwischen Modulreihen und Modultischen sind ebenso gefordert wie eine durchlässige Umzäunung für Kleintiere. Die Pflege der Anlage soll sich an einem Zielarten-Konzept orientieren, um Brutplätze für Feldlerchen und andere bedrohte Arten zu schaffen.
Das Fazit von NABU: Die Energiewende für Sachsenheim bleibt notwendig und muss naturverträglich umgesetzt werden. Die Anforderungen an Wind- und Solarprojekte sind klar: Technische Lösungen für den Schutz von Großvögeln und Fledermäusen, ökologische Aufwertung der Flächen und konsequente Einbindung des Naturschutzes bereits in der Planung. Nur so gelingt der Weg in eine klimafreundliche, artenreiche Zukunft.
Im dritten und abschließenden Vortrag erläuterte Regionalrätin Dr. Angela Brüx ausführlich die maßgeblichen Kriterien, die bei der Festlegung des Regionalplans Windkraft für Sachsenheim berücksichtigt wurden. Sie unterstrich, dass die Auswahl des Alleenfelds als Standort auf einer sorgfältigen und umfassenden Prüfung beruhte. Dabei wurden sämtliche relevanten Aspekte einbezogen, sodass alle Anforderungen an einen geeigneten Standort erfüllt sind.
Zu den wichtigsten Kriterien zählte insbesondere die Einhaltung eines Mindestabstands zu Siedlungs- und Gewerbegebieten. Hier ging man über die gesetzlichen Vorgaben hinaus und legte einen Abstand von 800 Metern fest, anstatt der vorgeschriebenen 750 Meter. Ziel war es, eine ausreichende Distanz zur Wohnbebauung und damit den Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner sicherzustellen.
Darüber hinaus wurden Flächen ausgeschlossen, die für den Natur- und Wasserschutz von besonderer Bedeutung sind. Dazu zählen Wasserschutzgebiete der Klasse 1, Naturschutzgebiete, Bannwald, Biotopschutzwald, Naturdenkmale, Biosphärengebiete sowie besonders geschützte Biotope wie die Natura 2000/FFH-Gebiete. Damit soll gewährleistet werden, dass wertvolle Natur- und Wasserschutzräume durch den Bau und Betrieb der Windenergieanlagen nicht beeinträchtigt werden.
Ein weiteres zentrales Kriterium war die Berücksichtigung technischer und infrastruktureller Aspekte. So wurde auf ausreichende Abstände zu Verkehrsflächen, Gasleitungen und Hochspannungsmasten geachtet, um potenzielle Gefahren und Nutzungskonflikte zu vermeiden. Die Auswahl des Standorts Alleenfeld basiert somit auf einer fundierten Abwägung ökologischer, technischer und sozialer Faktoren.
Der Entscheidungsprozess wurde als Kompromiss beschrieben, der im Rahmen eines demokratischen Diskurses gefunden wurde und die verschiedenen Interessen der Beteiligten berücksichtigte. Damit wurde deutlich, wie wichtig fundierte Planung und gemeinschaftliche Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung der regionalen Energieversorgung sind.
Im zweiten Teil des Vortrags stellte dann der Co-Referent Hans-Georg Hummel den geplanten Energiepark detailliert vor. Er betonte, dass die zu erwartende Energiemenge bei rund 107 Gigawattstunden pro Jahr liegt und damit der CO₂-Ausstoß im Vergleich zum bisherigen Energiemix um beeindruckende 92 % reduziert werden kann. Ein weiterer bedeutender Aspekt im Zusammenhang mit dem Energiepark „Allenfeld“ ist die Stärkung der kommunalen Finanzen. Durch die Realisierung des Projekts könnten der Gemeinde jährlich zusätzliche Einnahmen in Höhe von etwa 400.000 EUR zufließen. Diese Gelder bieten wichtige Spielräume für Investitionen in öffentliche Infrastruktur, Bildung oder soziale Projekte und tragen somit zur nachhaltigen Entwicklung der Kommune bei. Zudem räumte er mit einigen kursierenden Falschinformationen auf, etwa der Behauptung, die Windräder würden im Wald errichtet. Die aktuellen Planungen sehen ausdrücklich vor, dass die Standorte außerhalb des Waldes gewählt werden.
In den Vorträgen wurde deutlich, wie wichtig eine frühzeitige Einbindung der lokalen Bevölkerung und aller relevanten Interessengruppen ist. Transparente Kommunikation und regelmäßige Informationsveranstaltungen tragen dazu bei, Akzeptanz zu schaffen und mögliche Konflikte frühzeitig zu erkennen. Gerade bei Großprojekten wie dem Energiepark „Allenfeld“ ist die Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger ein zentraler Baustein für eine nachhaltige und sozialverträgliche Umsetzung.

Bericht in der Bietigheimer Zeitung:
Bietigheimer Zeitung – „Es ist unser Windrad!“
Bericht in der Ludwigsburger Kreiszeitung:
Ludwigsburger Kreiszeitung: „Große Spannung vor dem Sachsenheimer Bürgerentscheid“