Eine Besonderheit der erneuerbaren Energien ist ja, dass ihre Produktion nicht so vorhersehbar ist, wie das bei der Nutzung fossiler Energien der Fall ist. Nicht immer scheint die Sonne und nicht immer weht der Wind. Deshalb ist eine Ausbau überall wichtig, um so einen Ausgleich zu schaffen, und nicht nur dort, wo z.B. die höchste Windhöffigkeit herrscht (im Norden) oder die meisten Sonnenstunden (im Süden) vorhanden sind.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband schreibt dazu (https://foes.de/publikationen/2023/2023_08_VZBV_Ein_Verbraucherfreundliches_Strommarktdesign_FOES.pdf):

Obwohl EE-Anlagen günstiger werden, vom steigenden CO 2-Preis profitieren und in manchen Stunden sehr hohe Gewinne einfahren konnten, müssen weiterhin aktiv attraktive Rahmenbedingungen für den Zubau geschaffen werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Erlöse für erneuerbare Energien auf Grund der hohen Gleichzeitigkeit in der Regel niedriger sind als der Durchschnittspreis. Bei diesem Phänomen spricht man von einer Kannibalisierung der Preise: Erneuerbare Energien der gleichen Technologie produzieren in der Regel dann besonders viel Strom, wenn andere Anlagen ebenfalls sehr viel produzieren, bspw. bei einem Sturmtief. Somit kommt es zu einer negativen Korrelation zwischen Strommengenproduktion und Börsenpreis (Fraunhofer ISE 2021). Wird so viel Strom produziert, dass es einen Überschuss gibt, kommt es sogar zu negativen Preisen. Dieses Phänomen stellt ein Finanzierungsproblem sowohl für fossile als auch für erneuerbare Kraftwerke dar (Prognos 2021). Nach 4 Stunden mit negativen Preisen in Folge erhalten auch erneuerbare Kraftwerke keine EEG-Einspeisevergütung mehr (Netztransparenz.de 2022). Zur Häufigkeit von negativen Preisen in der Zukunft gibt es verschiedene Prognosen. Eine Studie geht davon aus, dass im Jahr 2040 negative Preise in 1.600 Stunden im Jahr zu erwarten sind (e.venture 2023). Prognos errechnet, dass im Jahr 2050 33% der produzierten PV-Strommengen und 15% der Strommengen aus Windenergieanlagen zu negativen Preisen führen könnten (Prognos 2021). Die 4-Stunden-Regel würde dann sehr häufig überschritten und auch die Refinanzierungssicherheit für erneuerbare Energien beeinträchtigen. Allgemein sind also Anpassungen im Marktdesign erforderlich, da bei erfolgreich beschleunigtem EE-Ausbau zunehmend Zeiten mit negativen oder sehr niedrigen Preisen zu erwarten sind.
Die pauschale Vergütungslogik des EEG führt zu einer Verschärfung des Problems. Anlagenbetreiber haben kaum Anreize, ihre Anlagen „netzdienlich“ zu planen und zu betreiben. Es gab verschiedene Korrekturversuche, wie z.B. die Südquote, jedoch wurde diese bisher beihilferechtlich noch nicht von der EU genehmigt (Bundesnetzagentur 2022b). Die derzeitige geografische Konzentration von erneuerbaren Energien derselben Technologie verstärkt die hohe Gleichzeitigkeit. Dies führt zu Überproduktionspeaks
und Netzengpässen, wodurch wertvoller erneuerbarer Strom abgeregelt werden muss.

Das heißt also, das Energiesystem mit erneurbaren Energien wird also umso wirtschaftlicher, je weniger Gleichzeitigkeit wir haben, d.h je verteilter die Stromerzeugung ist. Somit ist ein Ausbau auch in Süddeutschland richtig und wichtig.