Um die Frage, wer will den Windenergie zu beantworten, würde ich Sie gerne bitten mal einen kleinen Ausflug zu machen.
Schauen wir uns mal die folgende Seite an:
EnBW: Drei Gründe warum sich Atomkraft nicht rechnet

Kurzfazit:
- Grund für den Atomausstieg war die Explosion des Atomkraftwerkes in Fukushima Daiichi im März 2011
- CDU/CSU und FDP brachten den Ausstieg der Atomenergie auf den Weg
- Atomstrom hat die teuersten Stromgestehungskosten (durchschnittlichen Kosten, die für die Erzeugung einer Kilowattstunde (kWh) Strom über die gesamte Lebensdauer einer Energieerzeugungsanlage anfallen)
- Windkraft onShore hat die geringsten Stromgestehungskosten
- Wiedereinstieg in Atomkraft ist unrentabel und ginge langfristig zu lasten der Steuerzahler
- Neue Atomkraftwerke zu bauen dauert viele Jahre und verschlingt Unsummen an Geld
- Die Endlagerfrage des Atommülls ist bis heute noch nicht vollständig geklärt
Im Detail
1.) Bauzeit für neue Atomkraftwerke
Das stärkste Argument gegen Atomkraft im Kontext der Klimaziele 2040 ist schlicht die Zeit.
Die Planung, Genehmigung und der Bau eines neuen Atomkraftwerks (AKW) dauern in Europa derzeit durchschnittlich 15 bis 20 Jahre.
Selbst wenn Deutschland heute politisch beschließen würde, neue Meiler zu bauen, gingen diese frühestens zwischen 2040 und 2045 ans Netz.
- Beispiel Frankreich (Flamanville 3): Baubeginn 2007, geplante Fertigstellung 2012. Tatsächliche Inbetriebnahme: 2024 – nach 17 Jahren Bauzeit.
- Beispiel Finnland (Olkiluoto 3): Baubeginn 2005, Inbetriebnahme 2023 – nach 18 Jahren.
Um die Klimaziele 2040 zu erreichen, müssen wir Emissionen jetzt und in den kommenden zehn Jahren massiv senken. Atomkraft kommt für diesen Zeitrahmen schlicht zu spät.
Sie ist keine Brücke, sondern eine Baustelle, die erst fertig ist, wenn das Rennen längst gelaufen ist.
2.) Das Kostendesaster, oder die teuerste Form der Energieerzeugung
Oft wird argumentiert, Erneuerbare seien teuer. Der Blick auf die Stromgestehungskosten (siehe oben) zeigt das Gegenteil. Laut internationalen Analysen (z.B. Lazard, Fraunhofer ISE) ist Atomkraft bei Neuanlagen mittlerweile die teuerste Art Strom zu erzeugen.
- Wind & Solar: Produzieren heute für ca. 4 bis 14 Cent pro kWh.
- Neue Atomkraft: Liegt oft bei 14 bis 49 Cent pro kWh (siehe Hinkley Point C in Großbritannien, wo der Staat einen extrem hohen Abnahmepreis garantieren musste).
Jeder Euro, der in den Bau neuer AKWs fließt, fehlt beim Ausbau der Netze, bei Speichern und bei den erneuerbaren Energien.
Atomkraft ist ökonomisch ineffizient: Sie bindet massives Kapital für Jahrzehnte, während Wind- und Solarparks in 2 – 3 Jahren stehen und sich schnell amortisieren. Wer Atomkraft fordert, fordert also höhere Strompreise oder massive staatliche Subventionen.
3.) Der Mythos der Grundlast
Das Argument der „Grundlastfähigkeit“ stammt aus dem Energiesystem des 20. Jahrhunderts. Ein modernes Stromsystem, das auf 80 – 100 % Erneuerbaren basiert, benötigt keine trägen Kraftwerke, die 24/7 durchlaufen.
Was wir brauchen, ist Flexibilität: Gaskraftwerke (später mit Wasserstoff), Batterieparks und intelligente Netze, die Schwankungen von Wind und Sonne ausgleichen.
Atomkraftwerke sind technisch schwerfällig; sie lassen sich nicht schnell genug regeln, um auf Wetteränderungen zu reagieren.
Im Gegenteil: Sie verstopfen die Netze, wenn viel Wind weht, und zwingen dazu, günstige Windkraft abzuregeln.
4.) Die ungelöste Endlagerfrage: Ein Erbe für 30.000 Generationen
Gerade bei der Endlagerfähigkeit fällt die Bilanz der Atomkraft verheerend aus. Seit Beginn der zivilen Nutzung der Kernenergie in den 1950er Jahren gibt es weltweit kein einziges in Betrieb befindliches Endlager für hochradioaktiven Müll.
- Deutschland: Die Suche nach einem Standort läuft wieder von vorn und wird sich bis weit in dieses Jahrhundert ziehen.
- Ethik: Energie für 40 Jahre zu produzieren und den Müll für 1 Million Jahre nachfolgenden Generationen zu hinterlassen, widerspricht jedem Prinzip der Nachhaltigkeit und dem in der deutschen Verfassung verankerten Schutz der Lebensgrundlagen.
- Für die gesamte atomare Entsorgung rechnet die Bundesregierung bis 2100 mit rund 170 Milliarden Euro.
5.) Rohstoffabhängigkeit und Wassermangel
Zwei oft übersehene Aspekte einer „ganzheitlichen“ Betrachtung:
- Uran-Importe: Uran wächst nicht in Deutschland. Wir müssten es importieren – oft aus politisch instabilen Regionen oder Staaten wie Russland, Kasachstan oder Niger. Wir würden die Abhängigkeit von Gas nur gegen eine Abhängigkeit von Uran tauschen.
- Kühlwasser: In den immer heißer werdenden Sommern mussten französische AKWs in den letzten Jahren gedrosselt werden, weil Flüsse zu warm wurden oder zu wenig Wasser führten. Atomkraft ist extrem wasserintensiv – ein Risiko in Zeiten der Klimakrise.
Fazit
Die Forderung nach einer Prüfung der Atomkraft klingt auf den ersten Blick technologieoffen. Doch die Faktenlage ist eindeutig:
Wer bis 2040 klimaneutral sein will, kann nicht auf eine Technologie setzen, die zu langsam im Bau, zu teuer im Betrieb und ungelöst in der Entsorgung ist.
Die Diskussion um Atomkraft ist eine „Phantomdebatte“, die wertvolle Zeit und Ressourcen bindet.
Die Forderung nach Atomkraft würde Deutschland wirtschaftlich unattraktiv machen, die Firmen würde ins Ausland abwandern, was wir aktuell ja in der Automobilbranche sehen.
Die Lösung liegt im schnellen Ausbau von Wind- und Solarenergie, kombiniert mit Speichertechnologie und Netzausbau.Das ist der einzige Weg, der schnell, günstig und sicher genug ist, um das 2040-Ziel zu erreichen.
Das macht Deutschland wieder wirtschaftlich und als Industriestandort attraktiv.
Weitere Infos zu Stromgestehungskosten:
Fraunhofer ISE – Studie: Stromgestehungskosten erneuerbare Energien