Wieso brauchen wir noch mehr erneuerbare Energien? Windräder müssen teilweise abgeschaltet und PV-Anlagen vom Netz genommen werden und der Speicherausbau kommt nicht voran. Und was passiert, wenn die Stromtrasse SüdLink fertiggestellt und in Betrieb ist und der Strom aus dem Norden eintrifft?

Kurze Antwort:
Der Stromverbrauch wird in Zukunft massiv steigen, aufgrund von E-Autos, Wärmepumpen und neuen Technologien, wie KI, Rechenzentren, usw. Diese Technologien sind unverzichtbar für unsere Wettbewerbsfähigkeit. Die Elektrifizierung verringert zudem die Luftverschmutzung enorm. Beim Stromtransport vom Norden in den Süden haben wir hohe Energieverluste.

Lokale Stromherstellung:

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Ja, es ist richtig, wir sind nicht schnell genug beim Ausbau der Stromtrassen und der Speicher. Hier wird aber gerade viel gemacht und der Ausbau geht voran. Und es stimmt auch, dass wir im Moment ausreichend mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt sind und diese einen Großteil unseres Strombedarfs schon abdecken. 

Der Strombedarf wird aber in Zukunft noch massiv ansteigen. Deshalb ist der zurzeit teilweise vorhandene Überschuss an Strom aus EE-Anlagen auch ein vorübergehendes Phänomen. Das Fraunhofer Institut prognostiziert 1850 TWh deutschen Strombedarf in 2050, im Vergleich dazu  produzieren wir heute ca. 500 TWh. Laut Fraunhofer sollen 800 TWh aus Windenergie kommen. Dabei geht das Fraunhofer Institut davon aus, dass wir 50% unseres Strombedarfs importieren. Heute produzieren wir 138 TWh mit Windkraft  (zum Vergleich: USA 458 TWh, China 997 TWh). Wir sind also sehr weit davon entfernt, bei angestrebter Klimaneutralität genügend Strom aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen.  Eine Elektrifizierung ist in den meisten Fällen die kostengünstigste Art der Dekarbonisierung, z.B. im Verkehr (Elektroautos, elektrifizierter Schienenverkehr), beim Heizen (Wärmepumpe) etc. Neben dem positiven Beitrag zum Klimaschutz hat die Elektrifizierung weitere Vorteile, beispielsweise verringert sie die Luftverschmutzung. Der steigende Bedarf ist somit  einfach nachvollziehbar, wenn man überlegt, dass ein Großteil der Mobilität, der Wärmegewinnung und der industriell genutzten Energie noch nicht auf Strom oder grünen Wasserstoff umgestellt worden sind, sondern noch auf fossilen Energien basiert.  Zusätzlich benötigen neue Technologien wie KI enorme Mengen an Strom, auf diese Technologien können wir aber nicht verzichten, wenn wir weiter wettbewerbsfähig sein möchten.

Auch wenn die Stromtrasse SüdLink fertig gestellt ist, macht es Sinn Strom lokal zu erzeugen, weil beim Stromtransport vom Norden in den Süden immer Energieverluste entstehen und durch lokale Stromerzeugung die Resilienz, also die Widerstandskraft gegen Sabotage erhöht wird, sowie lokale Windflauten ausgeglichen werden können. Durch lokale Energieerzeugung machen wir uns unabhängiger vom Energieimport, generieren Einkommen für die Kommune und stärken damit die Wirtschaftskraft und die Attraktivität in unserem Umfeld.

Es gilt:

Quellen: 
Das »Barometer der Energiewende« 
Wind energy generation vs. installed capacity, 2024